Das mit dem Konsens

14 März, 2015

So genau weiß ich garnicht, wie ich anfangen soll.
Und das ist eigentlich ein ziemlich guter Anfang, denn wenn ich meine Beziehungen rückblickend so anschaue, dann wusste ich tatsächlich oft nicht, wie ich anfangen sollte zu sprechen. Mich verständlich zu machen. Oft hätte ich vermutlich ein STOPP gebraucht, dass es aber nicht gab weil ich nicht auszusprechen wagte, dass mein vages Unwohlsein daher kommt, dass ich eigtentlich irgendetwas anders haben wollte, weil es sich für mich nicht stimmig anfühlte.

Ich dachte immer, ich müsse nicht nur wissen, dass sich das grad nicht gut anfühlt, sondern ich müsse eben auch wissen, wie ich es denn stattdessen möchte. Und das ist der Knackpunkt. Ich wusste und weiß oft nicht, wie ich Dinge stattdessen möchte. Ich weiß erstmal nur, dass ich sie so nicht möchte. Und ich komme erst langsam darauf, dass das ok ist. Das genau da der Punkt für das STOPP liegt und das ebenjenes legitim und wichtig ist.

Konsens braucht Raum. Und in einem Umfeld, in dem Konsens mehr oder weniger eine Gleichssetzung mit Norm bedeutet, braucht es den Raum zu allererst für ein STOPP.

In diesem Raum darf Versunsicherung existieren. Warum? Weil Verunsicherung nicht per se etwas Schlechtes ist, sie kann auch gut sein. Sie bedeutet, dass ich nicht davon ausgehe zu wissen, was mein Gegenüber mag und was richtig ist. Verunsicherung eröffnet Raum zum Überlegen und Nachfragen. Es ist ok, unsicher zu sein. Überhaupt ist es ein Unding, dass so oft suggeriert wird, ich müsse alles mögliche wissen. Muss ich nicht. Es ist nicht meine Aufgabe, Dinge zu wissen, wenn sie mir kein Mensch sagt. Es ist nur meine Aufgabe den Raum zu öffnen, damit mir Andere sagen können, was sie (nicht) wollen. Oder zumindest darüber nachdenken können und nicht zu irgendwas genötigt werden, was sich schlecht anfühlt.

In vielen meiner Beziehungen gab es keinen Konsens als Grundannahme. Es gab NORM als Grundannahme und allenfalls die Ermunterung, zu sagen, wenn ich von der NORM abweiche. Oh well, thank you so much. For nothing. Im Rückblick macht mich das ziemlich wütend. Weil ich jahrelang immer nur glaubte, dass das an mir läge. Immerhin war ich ja offenbar so komisch.

Ich empfinde Konsens als ein Gebiet voller Möglichkeiten. Entspannend und verunsichernd zugleich. Es nimmt mir eine Last. Es nimmt die Gefahr von Othering, welches aufgrund von Normierung entsteht. Auch über Beziehungen und Sexualität hinaus erlebe ich das. Mehr nachfragen, ob mein Gegenüber etwas von sich teilen, preisgeben möchte, wie der jeweilige Mensch angesprochen werden möchte. Wo die Norm aufhört und der Konsens anfängt, dort gibt es keine Experten. Es gibt Menschen mit einer wertschätzenden Fragehaltung. Es gibt Entdecker_innen. Des Gegenübers und der eigenen Bedürfnissse und Sichtweisen. Es gibt das lebendige Interesse.

Die Frage ob Konsens denn sexy sein darf, finde ich spannend. Ich finde es schwierig, wenn Konsens das neue sexy wird. Konsens braucht sexy nicht. Konsens muss sich nicht anbiedern. Er muss sich nicht schmackhaft machen, um ernstgenommen zu werden. Konsens ist unabdingbare Grundlage. Aber das heißt vielleichht nicht, dass wir es deswegen nicht in anderem Zusammenhang in Verbindung bringen können. Kontext is Quing :)

Ich finde Konsens manchmal sexy. Ich kann etwas Grundlegendes sexy finden, ohne es erst dadurch legitimieren zu wollen. Die Art, wie jemensch fragt, ob etwas ok ist oder rückmeldet, wie sich etwas anfühlt, kann sehr toll sein. Aber wie gesagt, wenn es das nicht ist, dann verliert Konsens dadurch nicht an Bedeutung.

Konsens ist Begegnungsbasis.
Für weniger bin ich nicht mehr zu haben.

Fake it till you make it! #bodypositivepractice

7 März, 2015

image

Fake it till you make it-
Ich glaube ich habe wirklich ziemlich lange nach diesem Satz gelebt. Und ich will garnicht sagen, dass es mich nicht in irgendeine Richtung gebracht hätte. Aber ich würde gern meine Unfertigkeit mehr umarmen können.

Wurzelfrau, die coole, Unnahbare vs. die Schüchterne.
Wurzelfrau, die Selbstsichere vs. die Verwirrte, Unsichere.
Wurzelfrau, die Extrovertierte vs. die Scheue.

Ich bin sicher alles, was da steht. Aber ich brauche trotzdem auch noch ganz viel Empowerment. Ich bin so im Prozess, da sind noch so viele Gedanken ungedacht, zu wenig ergründet. Neulich im Hangout habe ich erzählt, dass ich gern auch mal mehr Worte hätte mich zu beschreiben. Wie ich zu Gender, zu Begehren, zu Beziehungsformen und zu meinem Körper stehe. Letzteres fällt mir am leichtesten. Ich mag mich. Aber ich mag die Gründe aus denen ich esse oft nicht. Ich wäre gern viel entspannter. Bin ich aber nicht. Ich bin ungeduldig und wenn ich überfordert bin, dann bin ich manchmal harsch. Dann kappe ich die Verbindung zu mir. Dann tritt da so ein Reflexverhalten ein. Daran arbeite ich grade. Mehr bei mir sein. Mich morgens vor dem Arbeiten zentrieren. Als kurze Tagesübung. Dem Tag eine Intention geben. Eine Haltung.

Unfertigkeit und Unvollständigkeit*

Ich weiß nicht, ob ihr da mitgehen könnt, aber ich halte ‘unfertig’ und ‘unvollständig’ für zwei sehr verschiedene Dinge. Ich fühle mich oft unfertig, weil Entwicklung so schnell geschieht, dass ich sie manchmal garnicht greifen kann. Ich brauche unheimlich viel Zeit, Dinge zu verarbeiten, Dinge zu fassen und in Kontext zu setzen. Diese Zeit habe ich oft nicht, alles ist schnelllebig. Und ich hätte so gern mehr Raum zur Betrachtung, zum Innehalten. Das ist mir wichtig.

Trotzdem bin ich vollständig. Jeder Mensch ist das, meiner Ansicht nach. Jeder Mensch trägt die eigene Vollständigkeit immer in sich. Wir sind keine Mangelwesen, und wir sollten uns von diesem defizitorientierten Blickwinkel auf die Welt verabschieden. Ich versuche das. Jeden Tag. Und darum will ich auch mehr Dinge betrachten, die ich an mir schön finde.

Meine Hals- / Schulterpartie zum Beispiel.

image

image

Ich sollte mal öfter Schulterfrei tragen. Ich mag so alte Sweater, die einen U-Boot-Ausschnitt haben gerne, leider hab ich zu wenig. Welche Stellen mögt ihr an eurem Körper besonders gern?

Was ich in der ersten Woche besonders gut hinbekommen habe, war das Zeichnen. Der Mitbewohner hat nämlich noch Copic Marker aus dem Keller ausgegraben. Und mit denen arbeitet es sich echt sehr cool. Yogamäßig war es eher entspannt, ich hab nicht viel Neues ausprobiert, am Wochenende werd ich ein neues Video von Anat Geiger machen, ich berichte dann :) Für nächste Woche nehme ich mir vor, das Essen/Essverhalten mehr zu betrachten.

Habt es fein <3


* Anna Heger und ich haben das Thema neulich gestreift :)

Body Positive Practice- Anfangsaufnahme.

3 März, 2015

Was will ich machen?

Ich mache in diesem Monat ein paar Sachen mehr, als ich ursprünglich gedacht habe. Mein Grundding ist Yoga. Yin Yoga, um genauer zu sein. Meine Homebase ist Ekhart Yoga, aber ich will mich durchaus auch woanders umsehen. Ich will mich dieser Richtung schon lang einmal intensiver zuwenden, darum mache ich das in diesem Monat. Und dann werde ich zeichnen. Wir haben ja diesen Queer- Feministischen Hangout, der eigentlich ein Strickhangout ist, bei dem eins aber auch dazukommen kann und was anderes tun, während wir uns nett unterhalten. Angeregt durch Anna Heger, haben wir grade ein paar Zeichenchallenges gemacht, während derer mir aufgefallen ist, dass mir das erstens großen Spaß macht und ich das zweitens auch sehr empowernd finde. Wir haben an den ersten Abenden eine Reihe sehr kurviger, schöner Körper gezeichnet. Das war toll. Ihr könnt unsere Bilder auf Twitter unter dem Hashtag #Nährboden finden*. Zum anderen will ich mal wieder auf mein Essverhalten schauen. Ich hatte in den letzten Monaten viel Stress und meine ausgewogene Ernährung ist dabei mal wieder auf der Strecke geblieben.

Vorerfahrungen / Vorraussetzungen

Ich bin dick. Ich halten das nicht per se für einen ändernswerten Zustand. Nur die Fitness und meine liebevolle Wahrnehmung würde ich gern verbessern.

FullSizeRender 2

Yoga:
mache ich seit einem Jahr. Und das tut mir sehr gut, ich möchte gern zu einer regelmäßigen Praxis finden. Grade ist mein Knie etwas angeschlagen, weil ich es verknackst hab. Und mein Rücken ist dank meines Berufes eine Dauerbaustelle. Ich schreibe also über Positionen für dicke Menschen, die Knie-/ Rücken- schonend & in diesem Bereich kräftigend sind.

Zeichnen:
hab ich mal in der Schule gehabt, ewig nicht mehr gemacht. Ich möchte besonders Portraits und dicke Körper zeichnen. Vielleicht einen empowernden Comic.

Essen:
Joa, weniger Süßkram, geregelter essen (Essplan), mehr Smoothies :)


*Der Name #Nährboden ist aus einem Autokorrekturfehler entstanden. Eigentlich sollte es nämlich Nacktbild heißen. Weil wir das so lustig fanden, haben wir den Namen dann einfach genommen. :)

Einladung: Body positive Practice Month

24 Februar, 2015
in Yoga

Ich liebe ja den Austausch über und vor allem auch die Diversität beim Yoga. Immer mal wieder bekomme ich mit, was zum Beispiel Distel für Gedankengänge zu Yoga, Body Image und kultureller Aneignung hat. Das finde ich sehr spannend.

Als ich neulich überlegte, wie ich meinen Wiedereinstieg ein bisschen motivierender gestalten könnte, kam mir die Idee eine Aktion zu starten. Da im März ein bisschen Luft ist, haben Distel und ich kurzerhand beschlossen einen Body positive Practice Month zu machen. Dafür hat Distel auch die Grafik gestiftet.

practicemonth

In diesem Monat, März, soll es also darum gehen, wie wir mit unseren verschiedenen körperlichen Vorraussetzungen etwas Aktives tun, die Praktik, die uns gut tut, was dazu für Gedankengänge entstehen- wie das vielleicht auch unsere Sicht auf unseren Körper verändert / hat. Jede_r die_der Lust hat, kann gern mitmachen. Ihr dürft die Grafik gern mitnehmen und auch etwas dazu posten oder sie einfach einbinden und auf diesen Artikel hier verlinken. Ich freue mich, wenn ihr dabei seid! <3

Hinterlasst doch einen Kommentar, wenn ihr mitmacht, damit wir uns gegenseitig finden können!

Anmerkung: Wir haben es von “Yoga” nach “Practice” umbenannt, weil wir tolle Twitter- Anregungen bekommen haben, doch auch andere Praktiken einzubeziehen. Das fanden wir toll, weil so mehr Menschen mitmachen können. Danke <3