Queerer Rant- und Strickpodcast, Episode 9

17 August, 2014

QRSP

Komplimente, Turtelei und Twitter.

Das mit dem Rant wird hier mittlerweile sehr ernst genommen. Daher rante ich heute mit Ella und Peter. Sehr spontan und sehr nett war es. Wir sind gespannt, was ihr von unseren Gedanken haltet.

Ella und ich haben auch gestrickt. Socken. ;-)

Feminität und Fatness. Ein kurzer Gedankengang.

12 August, 2014
in Queer

Ich hatte neulich mit Ella und Modern Dragon ziemlich interessante Gespräche bei nettem Abendessen. Unter anderem über Eigen- und Fremdwahrnehmung und Gewichtsfragen. Ich fand das sehr nett, aufschlussreich und ein bisschen überraschend.

Für mich hat Feminität überhaupt nichts mit Gewicht zu tun. Ich kann dicke Menschen sehr feminin finden. Ich finde auch, Ästhetik und Schönheit (was beides Begriffe sind, die damit immer sehr eng verbunden sind) sind sehr unabhängig von Gewicht. Oft ist es auch so, dass eine bestimmte Art von grazilem, anmutigem oder fein(gliedrig)em Bewegungsverhalten als sehr feminin gelesen wird. Auch das, ist für mich nicht zwangsläufig verknüpft, darüber hinaus finde ich, dass dicke Menschen äußerst grazile Bewegungsabläufe haben können!

Ich bin ein Mensch, der sich als sehr feminin empfindet, das ist Teil meiner Identität. Und ich bin auch dick. Ich finde, das widerspricht sich nicht im mindesten. Ich laufe zum Beispiel nicht wirklich anmutig. Ich falle Zeit meines Lebens eher in meine Schritte hinein. Für mich ist es legitim, den Begriff der Feminität zu weiten. Vieles, was heteronormativ und auch unter gängigen Schönheitsnormen als feminin gelesen wird, finde ich anstrengend, weil zu eng gedacht, trotzdem weigere ich mich ein bisschen, mich von dem Begriff zu lösen. Das ist nämlich MEINER.

Und anknüpfend an diesen Artikel, den ich vor einer Weile schrieb, war es mir wichtig, dass zu betonen. Ich fühle mich sehr feminin. Dicke Frauen können feminin sein. Selbstredend können sie das.

Von Hilflosigkeit und Victim Blaming.

9 August, 2014

Warnung: Menschen, die Victim Blaming erfahren haben, sollten diesen Text mit Vorsicht lesen. Ich will hier natürlich nicht andeuten, dass das der einzige Grund für Victim Blaming sei. Aber ich glaube, es ist einer der Gründe. Und es gibt in diesem Fall Wege. Ich ergreife nicht Partei für Victim Blaming. Ich bin gegen Victim Blaming in jeglicher Form. Auch in der hier genannten.


Es gibt viele Dinge, die sich im Leben ändern.  Und ich bin ein Mensch, der viel Wert darauf legt, dass sich Meinungen ändern dürfen. Für mich gibt es einen Unterschied zwischen dem sprichwörtlichen Fähnchen im Wind und einem biografisch notwendigen Umdenken / einer ehrlichen (Selbst-)Erkenntnis.

Ich hatte einige solcher Momente und ein entscheidender war meine Betrachtung von Hilflosigkeit, Hilfestellungen und Victim Blaming. Ich möchte kurz erzählen, warum und wie das kam. Übrigens war der grandiose Artikel von Mika der Anlass, dass ich mich erinnerte, das hier zu verschriftlichen.

Ich kann Hilflosigkeit schlecht bis gar nicht aushalten. Ich bin ein Mensch, der lieber selber das Problem ist, als dass es andere sind, weil ich dann das Gefühl habe, wenn es an mir liegt, dann kann ich etwas daran ändern. Also, was meine Probleme betrifft, meine ich. Nicht generell. Ich behalte die Fäden gern in der Hand. Ich habe erst sehr spät gelernt, dass es ok ist, wenn es Dinge im Außen gibt, an denen ich einfach nicht rütteln kann. Mir fällt diese Sicht aber bis heute schwer, auch wenn sie mich entlastet, denn mit dieser Sicht zieht eins sich eine menge Schuhe an. Mehr als tragbar sind.

Was damit einherging, war die Sicht, dass Menschen ihres Glückes Schmied sind. Und wenn kein Glück in Sicht war, dann gab es freilich nur die Möglichkeit, dass der Schmied schlecht war. Innerhalb des Denkschemas völlig logisch. Es fällt schon auf, ich habe das System natürlich auch auf andere ausgeweitet. Ein Mangel an Einfühlung war die Folge und auch eine Menge gutgemeinter Ratschläge.

Wäre ich ehrlich zu mir gewesen, hätte ich bemerkt, dass das ein total ich- bezogenes Ding ist. Es ging dabei nämlich nicht wirklich darum, dem Gegenüber zu helfen. Es ging darum, ihm den Schuh der Verantwortlichkeit so massiv vor den Latz zu knallen, dass es die Heftigkeit meiner eigenen Hilflosigkeit unsichtbar und für mich weniger spürbar machte. Weil ich sie nicht aushalten konnte. Ich konnte nicht aushalten, dass wir alle – und somit auch ich- oft nichts an den Unterdrückungsmechanismen, an Sexismus, an Rassismus, an diversen Phobien ändern können. Wir laufen gegen Windmühlen, verheddern uns in den Flügeln, werden mitgeschleift, daran aufgeknöpft, oder das Ding begräbt uns beim Einsturz unter sich.

So ist es.  Oder, um es mit Antje Schrupp’s Worten zu sagen: Wir können nichts daran ändern, dass es regnet. Zumindest nicht im Augenblick. Langfristig ist eine andere Geschichte.

Victim Blaming ist oft diese Angst. Das weite von sich schieben. Damit es uns nicht daran erinnert, dass sowas jederzeit passieren kann. Auch uns selbst. Damit die Hilflosigkeit nicht spürbar wird, um die wir tief drunten irgendwo natürlich wissen.

Ich habe es irgendwann zulassen können, dieses Gefühl, diese Tatsache. Ab dem Punkt, an dem ich mich mit Privilegien, mit Machtverhältnissen, mit Queerness auseinandersetzte und merkte, dass ich nicht allein bin. Ein für mich entscheidender Punkt. Ich bin nicht allein damit. Es geht anderen auch so und ich bin trotzdem fähig, in der größten Hilflosigkeit Dinge zu tun, die einen Ausweg bieten. Ich habe Tools an die Hand bekommen, die früher für mich nicht vorstellbar waren, weil ich in einer absoluten Sackgasse war, weil selbst das  Anhören von möglichen Auswegen bei mir ein Gefühl von “jemand nimmt mir das Ruder aus der Hand” ausgelöst hat.

Ich habe in einem geschützten Raum gelernt zu benennen, was ich an Hilfen brauche. Und ich kann anderen, denen es grade schlecht geht zuhören und sie fragen, was sie an Hilfestellung brauchen. Ich kann empowern. In einer Weise, die niemandem Schuhe zuschiebt oder das Ruder aus der Hand nimmt. Ich kann das in einer Weise tun, die die Selbstbestimmung des anderen nicht untergräbt.  Und ich bin auch fähig zu sagen, wo meine Grenzen sind. Wo ich nicht mehr helfen kann und das ist (mehr und mehr) ok.  Auch wenn es ein weitaus besseres System brauchen würde, um Hilfestellungen befriedigend zu leben. Aber davon hatte es Mika im oben verlinkten Artikel schon ausführlich :)

Sich der (Selbst-) Erkenntnis öffnen, heißt nicht immer, verletzt oder retraumatisiert zu werden, es bedeutet auch besonders nicht, handlungsunfähig zu sein. Es gibt im geschützten Raum Möglichkeiten, sich der Hilflosigkeit zu stellen. Sie in etwas zu verwandeln, was nicht übergriffig als Handlungsmuster abläuft, sondern wertschätzend Platz macht für Wachstum, uns stärkt und verbindet und langfristig etwas ändert. Derweil können wir uns unterstellen oder einen Schirm mitnehmen. Es regnet nicht nur bei dir.

Queerer Rant- und Strickpodcast, Episode 8

29 Juli, 2014

QRSP

Selbstbezeichnung & Kategorisierung- Femmeness und ein bisschen Hairrant

Diesmal gibt es eine besondere Episode. Ich war zu Gast bei der lieben modern dragon, die hier ihr Blog hat und hier twittert. Wir hatten es sehr schön mit Kuchen und Tee und haben einfach mal anderthalb Stunden durchgerantet :)

Daher heute keine Strickereien und keine Musik.  <3