Von der Sehnsucht

8 September, 2014
in Leben

Ich war im Urlaub am Meer und es war herrlich. Der Wind hat an meinem Haar gezaust, die Sonne meine Haut noch etwas mehr gebräunt. Ich habe gelacht, gut gegessen und wunderbare Gespräche geführt. Es ging mir gut- seit langem wieder. Und dennoch lag etwas wie Abschied über allem. Es zieht mich. Irgendwas da draußen. An Orte, die gut für mich sind. Friedvoll, freudvoll, wonnevoll. Und so paradox das klingen mag, etwas da draußen zieht mich nach Innen. Zu mir. Ich sehne mich. Ich sehne mich nach mir. Nach dem ausgeglichen und angekommen sein, während ich doch auf einer Reise bin. Ich mag es unterwegs zu sein, während ich zu mir finde. Endlich wieder. Ich sehne mich nach einem Abschluss und gleichzeitig nach Bewegung, nach Wachstum.

Ich sehne mich nach Herbst.

summersky

Wisst ihr, was ich am Herbst so schön finde? Dass er loslässt.
Er bereitet auf das Sterben vor und ist gleichzeitig die Jahreszeit, die uns am meisten beschenkt. Ich habe in letzter Zeit oft darüber nachgedacht, dass das Sterben etwas ist, was wir wieder lernen müssen. Das Dinge zu Grabe tragen. Abschließen mit etwas. Es gut sein lassen auf die bestmögliche Art. Damit meine ich nicht verdrängen oder aufgeben. Ich meine wirklich zu Ende machen. Den Weg bis ganz zum Ende gehen. Bewusst. Und dann loslassen.

Weil es gut tut.

Und weil es Raum schafft. Und dieser Raum will wahrgenommen werden. Er will nicht gleich vollgestellt werden. Es geht nicht ums loslassen, weil dann ja etwas Neues kommt, es geht ums loslassen- Punkt. Es geht um das Gefühl, den Ballast wirklich loszuwerden, die Verantwortung abzugeben, weil etwas fertig ist. Wann hast du das letzte mal gedacht “Fertig!” hast ausgeatmet und dann einfach mal das Nichts genossen- den Raum? Wann war es zuletzt einfach mal genug und gut. Wann warst du genug? Ohne die Aufgaben und die Dinge, die noch getan werden ‘müssen’.

Danach sehne ich mich. Und deswegen will ich darauf achten, dass in der nächsten Zeit zu tun. Loslassen. Willkommen Herbst, mein alter Freund. Ich habe dich so sehr vermisst!

You don’t know

29 August, 2014
in Musik

Heute hatte ich so eine Stimmung, die mich zu diesem Song brachte, freilich noch eine Skizze, nix ausgearbeitet, besonders der musikalische Part braucht noch Aufmerksamkeit. Dennoch- it’s kind of my life in a song.

Can I touch your hair,
It looks special
I don’t think it’s fair
You don’t like me to

Where do you come from
Where are your parents from
Do you like it here
It must be hard for you

Cause your different
And everyone can see
That you don’t belong here
At least not for me

You don’t know
What it’s like to be like me
You don’t know
How much I wish to be free
From the looks, from your opinion
And your narrow minded rules
You don’t know

The world should not revolve
Around you guys
Or around sex, race and who
I like to date

It’s none of your business
And it hurts so much
That it’s considered offensive
That I don’t want to be touched

Cause I’m different
That’s what it’s like to be
And it doesn’t hurt
Anyone but me

You don’t know..

You don’t know..
Cause you don’t want to know

A little self love

26 August, 2014

Heute habe ich diesen Artikel drüben bei Fräulein Fuchs gelesen und gemerkt, dass ich die Antwort garnicht in Tweets unterbekomme, daher verschriftliche ich das hier etwas ausführlicher.

In ihrem Artikel schreibt sie über ihren Körper unter anderem:

Es gibt seltene Tage (oder eher: Stunden), an denen ich ihn mag und irgendwie auch akzeptieren kann, aber zusammen gehören wir eigentlich nie. Dass das nicht gesund ist, weiß ich. Mein Problem ist: Ich gehöre zu keiner Gruppe dazu.

Oh wie gut ich das kenne! Ich habe meine komplette Jugend in diesem Zustand verbracht, der irgendwann darin mündete, dass ich zwischen Hungerkuren und Frustessen pendelte und unterm Jahr Gewichtsschwankungen von 30 Kilo nichts Seltenes waren. Der Punkt, an dem eins sich annimmt, ist freilich bei jeder_m sehr unterschiedlich. Bei mir war er bei +30 Kilo. Ich hatte einen Aufwachmoment, der mich weinend vorm Spiegel stehen und mich fragen ließ “Warum tue ich mir das eigentlich an?”

Natürlich ist das eine rhetorische Frage gewesen, denn dass insbesondere junge Frauen unter einem enormen gesellschaftlichen Druck stehen, wie sie auszusehen haben und dass gefälligst alles auf die Perfektionierung ihrer äußeren Hülle ausgerichtet sein soll, war und ist offensichtlich, aber es war gut, dass ich mir die Frage gestellt habe, denn sie brachte die Erkenntnis, dass mein Schönheitsempfinden eigentlich nicht von (meinem) Gewicht abhängt. Also hörte ich auf mit den Extremen. Ich hörte auf zu hungern. Ich hörte auf, nur schöne Klamotten im Schrank zu haben für “wenn ich mal dünn bin”.

Heute bin ich jemand, der absolut für Fat Acceptance und gegen Fat Shaming steht, dennoch glaube ich, dass die Verknüpfung von Schönheit und Gewicht wenig aussagekräftig und absolut überholt ist. Und dann ist da noch das Ding mit der Zugehörigkeit, Fräulein Fuchs schreibt weiter:

Was mich daran traurig macht ist, dass mir von – vermeintlich – dicken Menschen gesagt wird, dass ich mich nicht mit ihnen solidarisieren kann, weil ich ja zu dünn bin. Von dünnen, der Norm entsprechenden Menschen wird mir hingegen das Gegenteil vermittelt, nämlich vor allem: Du hast doch Glück, du müsstest nur ein bisschen abnehmen und schon gehörtest du zu uns.

Ich glaube, es sollte unterschieden werden, zwischen “zu einer Gruppe gehören” und “sich über eine Gruppenzugehörigkeit definieren”. Zweites taugt meiner Ansicht nach nur bedingt für Dinge wie Gewicht. Aus einem einfachen Grund: Menschen verändern sich. Und genau das ist der Punkt. Ich glaube zwar, das Gruppenzugehörigkeit wichtig ist, weil sie sehr empowernd sein kann. Es ist wichtig, Menschen zu haben, die ähnliche Erfahrungen machen, weil das oft guten Austausch bringt oder einfach die Chance, verstanden zu werden, ohne sich groß angelegt erklären zu müssen und dann trotzdem nicht das Gefühl zu haben, dass das Gegenüber wirklich nachvollziehen kann, was eins durchlebt. Aber die eigene Akzeptanz daran zu hängen, daran mache ich mal ein (sehr liebevolles) Fragezeichen. By the way, wenn Menschen mir sagen würde, dass ich mich nicht mit ihnen solidarisieren kann, weil ich nicht bin wie sie, dann würde ich an diese Menschen auch gleich ein Fragezeichen machen oder besser ein Ausrufezeichen- hinter mein “Danke fürs Gespräch, viel Spaß mit wasauchimmer”.

Aber zurück zum Thema. Mein Selbstbild damals ließ sich nicht im mindesten von außen beeinflussen. Dieses “Ich muss so und so aussehen und sein” war so stark, dass es mich völlig im Griff hatte. Egal wie viel positives Feedback Menschen mir von außen gegeben haben. Nur ist es ja so: das Selbstbild, was ich da hatte, war eben auch ein von außen gegebenes. Ich bin nicht eines morgens aufgewacht und dachte: heute quäle ich mich mal, egal, ob ich der Typ dafür bin, weil es mein Herzenswunsch ist, so zu sein, weil mir das entspricht. Keiner lebt im luftleeren Raum. Wir werden immer von außen beeinflusst. Und es ist hart, sich eigene Maßstäbe zu schaffen und die aufs eigene Leben anzuwenden. Aber es lohnt sich, weil es befreit. Und es ist nützlich, sich dabei immer wieder bewusst zu machen, dass das, was eins da durchlebt, kein Privatproblem ist.

Der Weg da raus ist nicht morgen gegangen und er braucht Zeit, danach aber, konnte ich in den Spiegel schauen und “schön” nicht nur sagen, sondern empfinden. Weil ich das bin. Es gibt viele schöne und erwähnenswerte Dinge an mir. Mein Gewicht ist nur insofern eins davon, dass ich es eben habe und nicht damit auf Kriegsfuß stehe. Ich arbeite damit. Ich setze damit Zeichen. Aber darüber hinaus sollte es nicht so bedeutend sein. Schön bin ich, weil ich “ich” bin, weil ich authentisch bin.

Ice Bucket Challenge

25 August, 2014

So, ich bin also nominiert worden und zwar von der lieben StrawberryWho.
Jetzt muss ich aber sagen, dass ich dem nicht nachkomme und zwar aus folgendem Grund:
Diese Challenge war ursprünglich dafür Gedacht Awareness für ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) zu schaffen. Für sowas bin ich total zu haben und ich bin auch total fürs Spenden zu haben. Wofür ich nicht zu haben bin, sind Tierversuche. Die gute ALS Association, die bis zum 23. August 2014 bereits 62,5 Millionen US-Dollar an Spenden eingenommen hat, ist aber leider genau dafür bekannt. Schade. Unnötig. Pamela Anderson hat das sehr gut gesagt, als sie aus diesem Grund die Challenge ablehnte.

Daher: spendet euer Geld doch lieber dahin, wo das Leben ein bisschen mehr wertgeschätzt wird. Ich für meinen Teil werde das tun. Over and out.